Die Blockflöte (1)

Weil ich sie so gut leiden kann,
fang ich mit meiner Flöte an,
obwohl, das weiß ja jedes Kind,
die Streicher was viel Bess’res sind.

Blockflöten gar sind unbeliebt
weil es davon sehr viele gibt,
in die man bläst mit wenig Glück
als sei’s der Katzen Leibmusik.
Doch waren sie einst sehr geschätzt!
Sogar bei Hofe war’n ergötzt
Die Kaiser, Ritter, edlen Damen,
die in die Burg zum Feste kamen
und sich zum Tant zusammenfanden
beim ruh’gen Schritt der Sarabanden
und der Galliarde leichten Sprüngen.
Die Flöte ließ sie gut gelingen.
Genossen wurd’ sie auch fürwahr
vom Burgvolk und der Gauklerschar.
Man drehte lustig sich im Kreise,
der Tanzbär tat’s auf seine Weise.
Und jedermann ging auf’s Gemüt
so manches schöne Liebeslied
samt – sehr beliebt und meist dabei –
dem dreisten Song, nicht jugendfrei.

Dies ist fünfhundert Jahre her.
Der Blockflötist, den grämt das sehr,
pfiff auch nicht auf dem letzten Loch
die Flöte zur Barockzeit noch.
Ja, sie sah aus wie ausgewechselt,
war sie doch nunmehr hübsch gedrechselt.
Bach nutzte sie bei den Kantaten,
und nicht nur Händel schrieb Sonaten.
Doch dann, viel schneller als gedacht,
wurd’ der Garaus ihr fast gemacht,
denn für der Klassik laute Weise,
da war sie leider viel zu leise.

Heut spielt man manchmal auf ihr gern
ein schräges Stückchen, hoch modern,
doch ist, bring man’s auf einen Nenner,
dies eigentlich nur was für Kenner,
und viele Leute fliehn voll Schrecken,
wenn uns’re Flöte sie entdecken.
Egal, ich spiel sie trotzdem weiter
und hoffe, nicht nur mich stimmt’s heiter.